Qualitätskonzepte von Patienten und Ärzten am Beispiel der kardiologischen und orthopädischen Rehabilitation

Matthias Romppel (1) und Gesine Grande (2)

(1) Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Postfach 100131, 33501 Bielefeld, E-Mail: matthias.romppel@uni-bielefeld.de

(2) Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Fachbereich Sozialwesen, Postfach 301166, 04251 Leipzig, E-Mail: grande@sozwes.htwk-leipzig.de

Qualitätskonzepte in Bezug auf die medizinische Versorgung spielen implizit oder explizit eine wichtige Rolle bei der Auswahl und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, zusätzlich werden auch Einflüsse auf die Gestaltung, die Bewertung und den Erfolg der Maßnahmen vermutet. Untersuchungen zum Qualitätsverständnis verschiedener Akteursgruppen liegen bisher allerdings überwiegend für die akutmedizinische Versorgung in den USA vor und sind nur bedingt auf das deutsche Gesundheitssystem und insbesondere auf die medizinische Rehabilitation in Deutschland übertragbar. Darüber, wie die Akteure, deren Entscheidungen im Vorfeld einer Rehabilitation über die bedarfsgerechte Inanspruchnahme, Gestaltung und den Erfolg der Leistungen mitbestimmen, Qualität in der Rehabilitation definieren und welche Informationsbedürfnisse daraus erwachsen, ist wenig bekannt. Ziel der vorgestellten Studie war daher die Erfassung der rehabilitationsbezogenen Qualitätskonzepte von bedeutsamen Akteursgruppen sowie die Analyse der zwischen ihnen bestehenden Gemeinsamkeiten und Unterschiede am Beispiel zweier quantitativ bedeutsamer Indikationsgruppen – der ischämischen Herzkrankheiten (ICD I20-I25) und der Dorsopathien (ICD M40-M54).

Berichtet werden Ergebnisse der ersten Projektphase, in der mit Hilfe von leitfadengestützten Interviews und der Fokusgruppen-Methode Sozialdienstmitarbeiter, Ärzte in Akutkliniken, niedergelassene Ärzte, potentielle Rehabilitanden (Patienten in der Akutversorgung) sowie aktuelle Rehabilitanden befragt wurden. Die transkribierten Gesprächsprotokolle wurden mit Hilfe eines standardisierten Kategoriensystems inhaltsanalytisch ausgewertet.

Während die rehabilitationsbezogenen Qualitätskonzepte der professionellen Akteure durch berufsgruppenspezifische Aufgaben und Handlungsmodelle bestimmt waren, wurden Inhalte sowie Differenziertheit der patientenseitigen Qualitätskonzepte durch rehabezogene Motive und Erwartungen wie auch aktuelle oder frühere Rehaerfahrungen beeinflusst. Beim Vergleich zwischen den beiden untersuchten Indikationsbereichen spiegelten sich darüber hinaus deutlich die jeweiligen Krankheits- und Risikofaktorenmodelle wider. Für die Beurteilung der Qualität einer Rehabilitationseinrichtung wurden von den Akteuren meist unsystematische Hinweise und Rückmeldungen von Kollegen und Patienten bzw. Verwandten und Bekannten als Informationsquelle genutzt. Die vorhandenen formellen Informationsmöglichkeiten dagegen wurden selten genutzt bzw. erfüllten nicht den Bedarf nach qualitätsrelevanten Informationen.

Die Ergebnisse lassen es wünschenswert erscheinen, dass bei Entscheidungen über die Zuweisung bzw. Inanspruchnahme rehabilitativer Leistungen die berichteten Unterschiede in den Qualitätsperspektiven Berücksichtigung finden. Weiterhin weist der festgestellte Informationsbedarf auf die Notwendigkeit einer nutzerorientierten Qualitätsberichterstattung in der Rehabilitation hin, für deren Gestaltung die vorliegenden Ergebnisse als empirische Grundlage dienen können.