Qualitätsberichterstattung: Projektskizze

Qualitätsberichterstattung in der Rehabilitation – Qualitätskonzepte von Patienten, Medizinern und Sozialdienstmitarbeitern: Projektskizze

Zum Hintergrund der Studie

Die Qualitätsberichterstattung wird als ein wesentliches Element der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen angesehen. Es wird angenommen, daß die Veröffentlichung von Qualitätsberichten die Transparenz der Gesundheitsversorgung vergrößert, Einfluß auf Patientenströme hat, eine stärkere Partizipation der Patienten an Entscheidungen im Versorgungsprozeß gestattet und zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität führt (z.B. Brennan & Strombom, 1998; Badura, 1999). Als potentielle Nutzer rehabilitationsbezogener Qualitätsberichte stehen Patienten, Akutmediziner, niedergelassene Ärzte und Sozialdienstmitarbeiter im Fokus des Forschungsprojekts. Damit werden diejenigen Akteure im Rehabilitationsprozeß betrachtet, die – neben den Kostenträgern – über den Zugang zur Rehabilitation und die Inanspruchnahme rehabilitativer Leistungen entscheiden. Diese Entscheidungen im Vorfeld einer Rehabilitation bestimmen mit über die bedarfsgerechte Inanspruchnahme, Gestaltung und den Erfolg der Leistungen. Darüber, wie diese Akteursgruppen Qualität in der Rehabilitation definieren, das heißt von welchen Kriterien ihre Empfehlungen oder Entscheidungen abhängen und welche Informationsbedürfnisse daraus erwachsen, ist bisher jedoch so gut wie nichts bekannt. Die wenigen empirischen Studien lassen vermuten, daß sich die rehabilitationsbezogenen Qualitätskonzepte von PatientInnen, Ärzten und Sozialdienstmitarbeitern unterscheiden.

Ziele der Studie

Es wird angestrebt, am Beispiel von zwei quantitativ bedeutsamen Indikationsgruppen – koronare Herzerkrankungen (ICD 410-414) und Dorsopathien (ICD 720-724) – empirische Grundlagen für eine Qualitätsberichterstattung zu erarbeiten, die Qualitätskonzepte und qualitätsbezogene Informationsbedürfnisse verschiedener Akteure im Rehabilitationsprozeß berücksichtigt.

Im Rahmen der Studie sollen rehabilitationsbezogene Qualitätskonzepte von Patienten, Akutklinikern, niedergelassenen Ärzten und Mitarbeitern des Sozialdienstes analysiert und rekonstruiert werden. Dabei sollen u.a. folgende Fragen untersucht werden:

  • Wird eine gute Qualität der Rehabilitation von den befragten Gruppen an jeweils anderen Kriterien festgemacht?
  • Haben allgemein akzeptierte Qualitätsindikatoren wie technische Ausstattung oder medizinische Behandlungserfolge für Patienten, Ärzte und Sozialdienstmitarbeiter unterschiedliches Gewicht bzw. unterschiedliche Bedeutung?
  • Welche Qualitätsindikatoren werden in der alltäglichen Praxis für rehabezogene Entscheidungen tatsächlich berücksichtigt?

Auf der Grundlage der Studienergebnisse ist die Entwicklung von Empfehlungen für zukünftige Darstellungen von Rehabilitationseinrichtungen und Rehabilitationsprogrammen im Rahmen von regelmäßig veröffentlichten Qualitätsberichten vorgesehen. Diese Empfehlungen werden sich darauf beziehen, welche Informationen in welcher Form dargestellt werden sollten. Es ist beabsichtigt, dabei die vermutlich unterschiedlichen Bedürfnisse von Patienten, Ärzten und Sozialdienstmitarbeitern zu berücksichtigen. Eine so konzipierte Qualitätsberichterstattung kann zur Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen für den Zugang zur Rehabilitation und die bedarfsgerechte Inanspruchnahme rehabilitativer Angebote beitragen.

Methoden

In einem zweistufigen methodischen Vorgehen werden zunächst Experteninterviews und Fokusgruppen durchgeführt. Die dort gewonnenen Informationen sollen als Grundlage für eine schriftliche Befragung dienen, mit der die Erkenntnisse an einer größeren Stichprobe überprüft werden können.

Die Fragebögen enthalten – für alle Akteursgruppen einheitliche – Ratinglisten von Qualitätsindikatoren. Die Indikatoren umfassen die qualitativ in den Experteninterviews bzw. Fokusgruppen ermittelten Qualitätskriterien und sollen im Hinblick auf ihre Relevanz für rehabilitationsbezogene Entscheidungen der jeweiligen Akteursgruppen (z.B. Reha-Empfehlung, Zugang, Inanspruchnahme) bewertet werden. Darüber hinaus sollen Informationsbedürfnisse (bezogen z.B. auf Inhalte, Zugänglichkeit, Datenquellen, Darstellung) und – akteursgruppenspezifisch – potentielle Determinanten von Qualitätskonzepten erhoben werden.

Darstellung des Studiendesigns 1

Darstellung des Studiendesigns 2

Darstellung des Studiendesigns 3

Literatur

Badura, B. (1999). Evaluation und Qualitätsberichterstattung im Gesundheitswesen – Was soll bewertet werden und mit welchen Maßstäben. In B. Badura & J. Siegrist (Hrsg.), Evaluation im Gesundheitswesen (S. 15-42). Weinheim: Juventa.

Brennan, P. F. & Strombom, I. (1998). Improving health care by understanding patient preferences. Journal of the American Medical Informatics Association, 5(3), 257-262.

Kontakt:

Dipl.-Psych. Matthias Romppel
Im Strohsiek 9c
33613 Bielefeld
Tel.: 0521/8973336
E-Mail: romppel@rehaforschung.de